Thema Transhumanismus

Einleitung

Veränderungen sind ein Teil der menschlichen Natur

Der Mensch hat seine Umwelt schon immer verändert, technisch, kulturell und individuell. Seine Entwicklung schreitet dabei immer weiter voran und bewegt sich von jeher an den Grenzen seiner Möglichkeiten: Der Traum eines Tages Fliegen zu können begleitet den Menschen schon über Jahrtausende wurde aber erst in den letzten 200 Jahren zur Wirklichkeit. Durch seine technischen Mittel hat der Mensch auf immer neue technische und individuelle Grenzen überschritten.

Die Möglichkeiten nehmen zu

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts bewegt sich der Mensch auch auf eine andere Grenze zu: Die seiner eigenen Existenz. Die Möglichkeit sich in immer größerem Maße selbstbestimmt umzugestalten wurde durch neue Technologien gegeben. Einige fundamentale Erkenntnisse und Entwicklungen, wie z.B. in der Medizin und Gentechnik, und die immer schneller voranschreitende Digitalisierung führen den Menschen auf unterschiedlichen Ebenen an die Grenzen seiner Existenz und die Möglichkeiten diese selbst zu beeinflussen.

Die Grenzen sind erreicht

Ob im täglichen Leben oder im Falle von Krankheiten: Schon immer strebte der Mensch danach, sein Dasein angenehmer zu gestalten und dort wo Einschränkungen auftreten diese z.B. durch Prothesen, Implantate oder leistungsfördernde Medikamente auszugleichen. Heute ermöglichen es Technik und Wissenschaft dem Menschen aber nicht nur mögliche Einschränkungen zu überwinden, sondern auch seine Fähigkeiten über das natürliche Maß hinaus zu steigern.

Transhumanismus als nächster Schritt der Evolution?

Der Transhumanismus hat seinen Ursprung in den USA und geht Ideengeschichtlich auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück. Der vielleicht einfachste Grund für die Entstehung des Transhumanismus ist es, dass das natürliche biologische Leben mit 80, 90 oder vielleicht auch 100 Jahren endet. Diese Aussicht haben Wissenschaftler, Entrepreneure und Futuristen aus dem Silicon Valley in den 1960er und 70er Jahren als unbefriedigend empfunden. Aus dieser Sichtweise hat sich die Idee des Transhumanismus entwickelt.

Diskussion im Alltag

Im Alltag trifft man auf transhumanistische Themen, wenn über das sogenannte „Human Enhancement“ debattiert wird, z.B. beim Einsatz von AHDS Medikamenten zur geistigen Leistungssteigerung oder um Beinprothesen im Leistungssport. Die Möglichkeit sich in flüssigen Stickstoff einfrieren zu lassen, um nach dem Tod konserviert auf Heilungsmöglichkeiten zu warten ist bereits heute Realität. Die Idee mit Hilfe eines Brain-Computer Interface , den Inhalt des Gehirns durch einen sogenannten Upload in einem Computer zu simulieren wird bereits diskutiert . Wenn auch technisch reine Theorie, ist das Uploading Gegenstand von aktuellen Zukunfts- und Technikdiskussionen.

Was ist Transhumanismus?

Ideengeschichte

Die Entwicklung des Transhumanismus ist eng mit der Entwicklung wissenschaftlicher Theorien und Utopien einzelner Personen oder Organisationen verbunden. So brachte jede Neu- oder Weiterentwicklung von Technologien neue Szenarien und Ideen, wie diese die menschliche Entwicklung beeinflussen oder Unterstützen könnten.

Der Begriff des Transhumanismus wurde im Jahr 1957 erstmalig durch den Biologen Julian Huxley, dem ersten Generaldirektor der UNESCO und Halbbruder des Autors Aldous Huxley geprägt.

In seinem Buch „New Bottles for new Wine“ postuliert er in einem gleichnamigen Kapitel den Begriff des Transhumanismus. Huxleys Definition des Begriffs nach dem der Mensch, Mensch bleibt, aber sich selbst, durch Verwirklichung neuer Möglichkeiten von seiner und für seine menschliche Natur, überwindet konnte sich aber nicht als allgemeine Definition durchsetzen.
Die ersten umfassenderen Definitionen des Begriffs wurden Mitte der Siebziger Jahre durch die beiden Futuristen Robert C.W. Ettinger und Fereidoun M. Esfandiary geprägt. Weitere und neuere Definitionen des Begriffs wurden von Max Moore, Anders Sandberg und Nick Bostrom vorgenommen.

Fereidoun M. Esfandiary, einer der ersten Transhumanisten, ist ein iranisch-amerikanischer Sozialwissenschaftler und Autor, der sich später den Namen FM2030 gab. Es verfasste in den 1970er Jahren zahlreiche futuristische Romane und Theorien zu dem auch das Essay „Are you Transhuman“ zählt. Esfandiary bezeichnete im Jahr 1966 mit dem Wort „Transhuman“ Menschen, die sich aufgrund ihrer Einstellung zu Technologie, Weltanschauung und Lebensstil auf dem Weg zum „Posthumanen“ befinden. Als Posthumane bezeichnete er Menschen, welche eine physische, psychische und intellektuelle Selbstentwicklung durchgeführt haben.

Robert C.W. Ettinger, ein amerikanischer Autor und Begründer der Kryonikbewegung, entwarf zahlreiche transhumanistische Zukunftsvisionen, die weitaus radikaler sind als die Esfandiary´s. Ettinger definiert seine Sichtweise des Begriffs in dem Buch Man into Superman nach der der Menschen auf dem Weg zum Superhuman ist und er die Notwendigkeit der Neuerschaffung des Menschen sieht.
Beide Autoren, Robert Ettinger und Fereidoun Esfandiary, definierten in den 1970er eine Reihe von Zielen und Theorien, die sich im heutigen Transhumanismus oftmals wieder finden.

Moderner Transhumanismus

Max More ist ein britisch stämmiger Philosoph und Futurist der in den achtziger Jahren zusammen mit Tom Morrow in das inzwischen geschlossene Extropy Institut gründete. Der Begriff Extropy entstand in Anlehnung an den thermodynamischen Begriff der Entropie und steht für nach Mores Vorstellungen für zunehmende Ordnung, Information, Vitalität, Intelligenz und Kapazität für künftiges Wachstum und permanenten Fortschritt. Max More ist dem libertären Flügel der transhumanistischen Bewegung zu zurechnen und prägte eine der moderneren Definitionen des Transhumanismus:

“Transhumanismus ist eine Kategorie von Anschauungen, die uns in Richtung eines posthumanen Zustands führen. Transhumanismus teilt viele Aspekte mit dem Humanismus, einschließlich eines Respekts vor Vernunft und Wissenschaft, einer Verpflichtung zum Fortschritt und der Anerkennung des Wertes des menschlichen (oder transhumanen) Bestehens in diesem Leben. […] Transhumanismus unterscheidet sich vom Humanismus im Erkennen und Antizipieren der radikalen Änderungen in Natur und Möglichkeiten unseres Lebens durch verschiedenste wissenschaftliche und technologische Disziplinen […].“

Typisch für More und die Extropianer ist der dynamische Optimismus der in den sieben extropianischen Grundsätzen zum Ausdruck kommt.

Die beiden europäischen Transhumanisten Nick Bostrom und Anders Sandberg sind dem Umfeld der World Transhumanist Association (WTA) zu zurechnen. Nick Bostrom ist ein schwedischer Wissenschaftsphilosoph und Leiter des Oxford Future Institute of Humanity. Als Mitbegründer der WTA im Jahr 1998 hat er maßgeblich deren transhumanistische Charta und den weltweiten Zusammenschluss transhumanistischer Organisationen mitgestaltet.
Nick Bostrom ist dem demokratisch ausgerichteten Flügel der transhuamistischen Bewegung zu zurechnen und beschreibt den modernen Transhumanismus als “…die Philosophie, dass wir uns zu höheren Niveaus entwickeln können und sollten, physisch, geistig und sozial, durch den Gebrauch rationaler Methoden“. Bostrom hat zahlreiche philosophische Text mit transhumanistischem Bezug veröffentlicht.
Anders Sandberg ist ebenfalls dem Umfeld des demokratischen Transhumanismus zu zurechnen und wie Nick Bostrom in Schweden geboren wo er in Stockholm Neuroinformatik studierte.

Technologische Treiber des Transhumanismus

Kryonik

In enger Verbindung mit der Entstehung der transhumanistischen Idee steht die Entwicklung der Kyronik, die unmittelbar nach dem biologischen Tod das Einfrieren des Menschen in flüssigem Stickstoff vorsieht. In diesem Zustand soll der biologische Körper so lange erhalten werden, bis es die medizinische Entwicklung erlaubt, den Menschen zu reanimieren und die Todesursachenzu beseitigen. Die Idee dieser Art der Konservierung geht auf Robert Ettinger zurück.

Ein ungelöstes Problem der Kryonik stellt die Bildung von Eiskristallen dar, die Schädigungen im Gewebe hervorrufen, die nach heutigem Stand der Technik nicht reparabel sind. Ungeachtet dessen ließen sich bereits 1966 die ersten Menschen kryokonservieren. Bis zum heutigen Tage sind mehr als 100 Personen bei der Alcor Life Extension Fundation in den USA in flüssigem Stickstoff eingelagert, dazu gehört auch der Transhumanist FM 2030.

Nanotechnologie

Die Idee der Nanotechnologie gehen auf Richard Feynman´s Vortrag There´s Plenty Room At The Bottom in das Jahr 1959 zurück, während der Begriff selbst durch den Japaner Norio Taniguchi geprägt wurde. Eine weitaus größere Bekanntheit erreichte die Idee der Nanotechnologie aber durch K Eric Drexler und das von ihm verfasste Buch Engines of Creation aus dem Jahr 1986. Sein Buch inspirierte zahlreiche Wissenschaftler in ihrer Arbeit, dazu zählt auch der Entdecker der Fullerene und spätere Nobelpreisträger Richard E. Smally.
Mit zunehmender Popularität des Begriffs der Nanotechnologie wurde der Begriff zunehmend verwässert, infolge dessen sich Drexler durch den Begriff der molekularen Nanotechnologien von dieser Entwicklung abgrenzte. Im Jahr 1986 gründete er das Foresight Institut (heute Foresight Nanotech Institute) dem er allerdings heute nicht mehr angehört.

Singularität

Weitaus utopischer ist die Idee der technologischen Singularität, die einen Zeitpunkt beschreibt, ab dem der technische Fortschritt so schnell abläuft, dass ihn ein Mensch ohne Hilfsmittel nicht mehr begreifen kann. Die Vertreter dieser Vision gehen davon aus, dass die Singularität eine Art Superintelligenz hervorbringt, die dem Menschen mehr oder wenig freundlich gesonnen ist. Dabei reichen die Szenarien von der Verdrängung des Menschen bis hin zu einer freundlichen KI, die dem Menschen das Leben erleichtert. Grundlage der Theorie ist die These, dass es sich bei der Entwicklung von Wissenschaft und Technik um einen exponentiell verlaufenden Prozess handelt. Insbesondere die steigende Rechenleistung von Computern, sorgt für eine Beschleunigung der technologischen Entwicklung.

Demgegenüber steht die gleich bleibende Leistungsfähigkeit des Menschen, die nach Einschätzung verschiedener Wissenschaftler zwischen 100 und 10.000 Terraflops liegt. Die Ursprünge der Idee einer Singularität liegt in den 1980er Jahren als der Mathematiker Vernor Vinge die Idee einer Singularität entwickelt und diese 1993 in dem Artikel Technological Singularity veröffentlichte. Aktuell ist Ray Kurzweil (u.a. Chief Futurist bei Google) der wohl bekannteste Vertreter der Szene. Er vertritt die These, dass das Moor´sche Gesetz auch als Grundlage für die Entwicklung in anderen Bereichen angesehen werden kann. Weitere prominente Vertreter sind bzw. waren unter anderem die Robotiker und KI-Forscher Hans Moravec, Marvin Minsky und Eliezer Yudkowsky. Die Theorie wird häufig aufgrund ihrer spekulativen Datenauslegung, fehlenden Beweisen und mangelnden Wissenschaftlichkeit massiv kritisiert und abgelehnt.

Kybernetik

Die Entstehung der modernen Kybernetik geht auf die vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück, als Natur- und Ingenieurwissenschaftler wie Norbert Wiener oder Alan Turing die interdisziplinär angelegte Disziplin begründeten. Insbesondere Norbert Wiener legte mit seinem Cybernetic Manifesto und der darin postulierten Gleichsetzung von Mensch und Maschine die Grundlage für die Kybernetik.

Die moderne Kybernetik spielt in vielen Szenarien des Trans- und Posthumanismus eine große Rolle. In ihnen dient sie der Ergänzung und Erweiterung menschlicher Fähigkeiten durch Implantate bis hin zu einem kompletten kybernetischen Organismus, der die Überwindung der Sterblichkeit ermöglichen soll. Einer der aktuell bekanntesten Vertreter ist der britische Professor für Kybernetik Kevin Warwick, der sich im Jahr 1998 zeitweise einen Computerchip implantieren ließ. Mit Hilfe des Chips konnte er Türen öffnen, Geräte bedienen und seinen Aufenthaltsort dokumentieren.

Warwick geht, wie auch andere Wissenschaftler die dem transhumanistischen Umfeld zuzurechnen sind, gehen davon aus, dass Maschinen in den kommenden Jahrzehnten gleiche oder höhere Leistungen wie das menschliche Gehirn erbringen können. Warwick sieht in der Kybernetik die Möglichkeit die geistige Leistungsfähigkeit des Menschen zu steigern, nicht zuletzt um mit der Entwicklung der künstlichen Intelligenz mithalten zu können. Eine der Anwendungen ist das sogenannten Brain-Computer Interface, kurz BCI, das eine direkte Kommunikation zwischen Mensch und Computer auf neuronaler Ebene ermöglichen soll.

Uploading

Ähnlich wie die Szenarien zum Einsatz der Kybernetik in Trans- und Posthumanismus gehen die Theorien des Uploading hauptsächlich auf die Ideen von Informatikern und KI-Forschern zurück. Die Theorie des Uploading setzt voraus, dass das Gehirn eine informationsverarbeitende Maschine ist, deren Inhalte sich auslesen und übertragen lassen. Der Vorgang des Uploading soll es dem Menschen nach Ende seines biologischen Körpers ermöglichen, sein Bewusstsein in einem virtuellen Raum herunterzuladen um in einem emulierten Körper weiter zu existieren.

Frank Tipler, ein amerikanischer Physik Professor und Mitglied der WTA, wirft bereits in seinem 1986 erschienen Buch „the physics of immortality“ unter anderem die Frage nach dem Status einer Person vor dem Hintergrund eines schrittweise Austausch von Teilen des biologischen Gehirns auf. Eines der jüngsten Projekte im Bereich der Uploading Forschung, dass sich die Simulation des menschlichen Gehirns zur Aufgabe gemacht hat, ist das sogenannte Blue Brain Projekt und in der Folge das Human Brain Projekt der EU. Das Institut der Ècole Polytechnique in Lausanne und IBM haben es sich u.a. zur Aufgabe gemacht, das menschliche Gehirn aus der Basis eines dreidimensionalen Computermodells zu simulieren, bei dem jede Nervenzelle durch einen Prozessor abgebildet wird.

SENS

Eine der neueren Strömungen im Umfeld des Transhumanismus ist das durch den Biogerontologen Aubrey de Grey initiierte SENS Projekt, das sich die Bekämpfung des Alterns zur Aufgabe gemacht hat. De Grey vertritt die Auffassung, dass der Alterungsprozess ähnlich wie andere Krankheiten behandelbar ist und damit die Folgen des Alterns reversibel sind und der altersbedingte Tod schließlich überwindbar ist.
Dazu hat de Grey unterschiedliche Thesen aufgestellt, nach denen verschiedene Stoffwechselprozesse für den Alterungsprozess verantwortlich sind, die in der Fachwelt allerdings umstritten sind. Zur Erforschung von Altersprozessen hat er zusammen mit David Goebel die Mprize Foundation ins Leben gerufen, die den Methusalem Maus Preis, einen mit mehreren Millionen Dollar dotierten Preis an die Forscher vergibt, die das Leben einer ganzen Maus Population nachweislich verlängert.

De Greys Ansatz ist auch in sofern bemerkenswert da er, im Gegensatz zu vielen anderen transhumanistischen Theorien die häufig von einer teilweisen oder vollständigen Verdrängung des biologischen Lebens ausgehen, auf eine Weiterentwicklung des Menschen auf biologischer Basis ausgeht.

Institutionen, Organisationen und Strömungen

Innerhalb des trans- und posthumanistischen Umfelds gibt es vielfältige Ideologien und Strömungen, die sich in zahlreichen Organisationen manifestieren. Die unterschiedlichen Strömungen reichen dabei von politisch und philosophisch ausgerichteten Organisationen bis hin zu wissenschaftlich orientierten Institutionen.

Extropy Institute

Der Extropianismus ist eine der ältesten Strömungen innerhalb des Transhumanismus und eng mit Max More verbunden. Im Jahr 1986 siedelte dieser in die USA über und fing an, seine extropianische Philosophie zu entwickeln. Anfangs gab More zusammen mit dem Anwalt T.O. Morrow die Zeitschrift Extropy heraus und gründete schließlich im Jahr 1991 das Extropy Institute. Grundlage seiner Philosophie stellen die von ihm entwickelten sieben extropianischen Grundsätze dar, die ein so genannter „dynamischer Optimismus“ kennzeichnet.

Der Extropianismus ist von seiner Orientierung her als libertär einzuordnen und lehnt staatliche Einflüsse auf Wirtschaft und Gesellschaft weitestgehend ab. Mitte der 1990er Jahre fanden zahlreiche Konferenzen unter dem Titel Extro statt, auf der viele namhafte Transhumanisten wie Hans Moravec, Eric K. Drexler und Marvin Minsky ihre Ideen vorstellten. Seine extropianischen Prinzipien entwickelte More kontinuierlich weiter und veröffentlichte diese ähnliche wie ein Computerprogramm mit neuen Versionsnummern, zuletzt in der Version 3.11. Im Jahr 2006 entschloss sich Max Moore des Institut aufzulösen, da er dessen Ziele als erreicht ansah. Die Idee und Prinzipien des Extropianismus vertritt More weiterhin innerhalb der WTA und als Privatperson.
www.extropy.org

WTA – World Transhumanist Association und Humanity+

In Europa entwickelte sich die transhumanistische Bewegung erst Ende der 1990er Jahre und war anders als die Bewegung in den USA weniger libertär ausgerichtet. Ende der 1990er Jahre gab es viele kleinere nationale transhumanistische Organisationen, die sich schließlich in der von Nick Bostrom und anderen Transhumanisten gegründeten WTA zusammenschlossen.

Mit der Gründung der WTA verfolgte Bostrom unter anderem das Ziel, den Transhumanismus als wissenschaftliche Disziplin zu etablieren. Eine Gruppe von Akademikern, zu denen auch der Philosoph Anders Sandberg, der Utilitarist David Pearce und die Feministin Kathyrn Aegis gehörten, entwarfen die erste Transhumanist Declaration sowie die Transhumanists FAQ, an der auch Extropianer wie Max More mitarbeiteten.
Die WTA tritt ähnlich wie das Extropy Institute für freiheitlich-technisch Ziele ein, unterstützt aber keine Partei oder politische Ideologie.

Die Haltung der WTA lässt sich, auch wenn keine klare politische Aussage getroffen wird, am ehesten als Transhumanismus demokratischer Ausrichtung beschreiben. Im Jahr 2009 benannte sich die WTA nach einer Abstimmung unter ihren Mitgliedern in Humanity+ bzw. Humanityplus um, um sich durch eine Neuausrichtung einer breiteren Basis von Interessenten zu öffnen. In den letzten Jahren hat sich die Vereinigung zu einer hauptsächlich in den USA aktiven Wissenschaftsorganisation entwickelt, die Wissenschaftler und Intellektuelle aus dem technikfreundlichen Umfeld vereint. Die in der Transhumanist Declaration von 1998 festgelegten Grundsätze haben ihre Gültigkeit behalten.
humanityplus.org

Future of Humanity Institute und EU-Forschungsprogramme

Das unter der Leitung von Nick Bostrom stehende Future of Humanity Institut ist in Großbritannien an der Universität von Oxford an der Fakultät für Philosophie ansässig und wurde im Jahr 2005 gegründet. Das Institut untersucht im Rahmen des James Martin 21st Century College die Auswirkungen neuer Technologien auf das Individuum und die Gesellschaft und wie sich der Umgang mit den daraus resultierenden Veränderungen gestalten kann. Ein Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit liegt in der Untersuchung, wie sich Human Enhancement-Technologien zur Erweiterung biologischer Fähigkeiten wie Kognition und Lebensdauer einsetzen lassen. Darüber hinaus werden auch ethische Aspekte zum Einsatz von Human Enhancement-Technologien untersucht
Ein weiteres akademisches Forschungsprojekt mit transhumanistischem Bezug wurde im Rahmen des sechsten EU-Forschungsförderungsprogramms initiiert. Das unter dem Titel Enhance stehende Programm untersuchte seit dem Jahr 2005 den Wandel von einer nicht nur heilenden Medizin hin zu einer verbessernden Medizin. An dem interdisziplinären Programm sind Nick Bostrom und Anders Sandberg, der ebenfalls als Fellow am Future of Humanity Institute tätig ist, beteiligt. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass damit transhumanistische Theorien und Szenarien erstmalig in einem wissenschaftlichen Umfeld anerkannt und dauerhaft institutionalisiert wurden.
www.fhi.ox.ac.uk

Institute for Ethics and Emerging Technologies (IEET)

Im Jahr 2004 gründete Nick Bostrom zusammen mit dem Bioethiker James Hughes das Institute for Ethics and Emerging Technologies (IEET). Die in den USA ansässige Organisation untersucht die Auswirkungen neuer Technologien auf Individuum und Gesellschaft. Dabei befürwortet das IEET einen rationalen und konstruktiven Umgang mit den so genannten Human Enhancement-Technologien, die eine Erweiterung der menschlichen Fähigkeiten ermöglichen. Zu den Publikationen zählen verschiedene Whitepaper zu transhumanistischen Themen sowie das Journal of Emerging Technology (JET). Dieses wurde 1998 von Nick Bostrom und David Pearce als Journal of Transhumanism gegründet.
Das Online-Journal bietet Autoren die Möglichkeit zur Publikation transhumanistischer Ideen auf wissenschaftlicher (Peer Reviewed) Basis. Das IEET und das JET sind technoprogressiv orientiert und nicht zuletzt durch den Einfluss von Nick Bostrom und James Hughes dem Umfeld der WTA zuzuordnen.
ieet.org

Alcor Life Extension Foundation

Die Entstehung von Alcor ist eng mit Fred und Linda Chamberlain verbunden, die sich in den 1970er Jahren kennen lernten und im Jahr 1972 die Organisation Alcor gründeten. Die Non-Profit-Organisation, die heute unter dem Namen Alcor Life Extension Foundation arbeitet, bietet die Möglichkeit einer Kryokonservierung des menschlichen Körpers unmittelbar nach dem biologischen Tod an. Dabei werden entweder der Kopf oder der gesamte Körper in flüssigem Stickstoff bei -196°C in einem Stahlbehälter eingelagert. Fred Chamberlains Vater verstarb im Jahr 1976 und war eine der ersten kryokonservierten Personen.
www.alcor.org

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